,,Willkommen bei den Hunger Games“ oder ,,Wie ich auf der Toilette mit Schokolade dealte“

Gestern war ich mit meiner Frau schick essen. So richtig schick. Komplett neuer sehr angesagter Laden , stylisches Ambiente, total modern und hip, tolle Bewertungen bei Trip Advisor (erster Verdachtsmoment), ganz lässiges, wunderschönes und ultraschlankes Publikum (zweiter Verdachtsmoment) und sehr freundliche Kellner, letztere allerdings mit leptosomem Körperbau und etwas gequältem Gesichtsausdruck (dritter Verdachtsmoment). Alles sehr trendy, alles sehr sophisticated, alles super geil . Das Ganze zum Preis eines Kleinwagens, aber was soll‘s…

Das Geld muss unter die Leute.

Und ich mag eh keine Kleinwagen…

So weit, so gut, so großzügig…

Was ich bisher bei aller anfänglichen Lobhudelei (und natürlich dem Hinweis auf die Verdachtsmomente, aber dazu gleich mehr…) allerdings vergaß zu erwähnen ist, dass es sich um ein veganes Restaurant handelte.

,,Wäre doch auch mal interessant“, sagte meine Frau.

,,Das passt doch zu Euch“,, sagten unsre Kinder.

,,Ihr seid doch so Zeitgeister, probiert das doch mal aus“, sagten unsere Freunde.

,,Vielleicht gibt es neue Inputs für das Hotel. Sehr interessant…“, sagten einige Mitarbeiter.

Vor dem Besuch.

Jetzt sagt niemand mehr was.

Weil sie mich nach dem Restaurant-Besuch gesehen haben und sich in der Folge äußerst besorgt über mein Erscheinungs-Bild zeigten, welches Parallelen zum Körper-Umfang Mahatma Gandhis in seiner schlanksten  Phase aufwies.

Und das Ganze nach dem Genuss eines Sieben-Gänge-Menüs. Auf schönen Tellern präsentiert, reich an in dieser Form unvorhersehbaren lukullischen Reizen.

Bohne, Paprika, Tomate, Basilikum, Fenchel

Kartoffel, Liebstöckel , Lauch, Petersilie

Spitzkohl (was verdammt nochmal ist Spitzkohl…???), Brombeere, Pinie, Linse ,Chili, Kümmel

Sellerie, Champignon, Erdnuss, Bohnenkraut

Preiselbeere-Sonnenblume-Kurkuma

Sanddorn, Melisse, Koriander

Pflaume, Erdnuss, Papaya

Ja, was soll ich dazu sagen? Ich hätte es vorher wissen müssen.

Während der Nahrungs-Aufnahme sendete mein Hirn immer wieder verzweifelte Signale an  den Magen. ,,Achtung jetzt kommt gleich was. Vorher muss nur noch ein bisschen gemümmelt werden.“.

Leider umsonst.

Der für die Kommunikation zwischen Hirn und Magen-Darm-Trakt zuständige Vagusnerv blieb an dem Abend erfolglos. Und der Magen unbefriedigt!

Glücklicherweise hatte uns der freundliche Kellner der nicht zuletzt durch seine Herkunft aus Apulien, einer Region die mit ihren grandiosen Pasta-Gerichten, der reichhaltigen Auswahl an Fischen und Meeresfrüchten auch bei den verwöhntesten Genüsslingen zu punkten weiß ( was der Exilant auch nicht müde wurde zu betonen) in der Nähe der Restaurant-Toilette platziert. Somit bestand immer wieder die Möglichkeit sich kurzzeitig mit anderen Lokal-Besuchern  am Pissoir auszutauschen und sich gegenseitig Mut zuzusprechen. Eine intensive (Latrinen)-Freundschaft entwickelte sich mit einem besonders deprimierten Leckermaul, das sich wie ich an dem Abend in die Welt der Veganer verirrt hatte und nun äußerst freudig und unheimlich dankbar auf ein Bounty reagierte, welches ich zufällig in meiner Umhängetasche entdeckt und ihm beim Toiletten-Gang zugesteckt hatte.

Nie werde ich den dankerfüllten Gesichts-Ausdruck des armen hungrigen Teufels vergessen!

Auf dem Weg zum Auto musste mich meine ob des unfreiwilligen Diät-Abends erstaunlicherweise nach wie vor gut gelaunte Frau stützen, da mich die kulinarische Enthaltsamkeit doch etwas geschwächt hatte.

Erstmals hatte ich nach einem Restaurant-Besuch größeren Hunger als vorher.

Eines jedenfalls ist sicher: Beim nächsten Mal (sofern es ein solches gibt) bringe ich jedenfalls mehr Schoko-Riegel von zuhause mit!

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