Es kommt in Wellen. Erinnerungen eines Daheimgebliebenen

Es ist noch nicht lange her, da saß ich am Grote Markt von Antwerpen und aß eine phantastische Seezunge mit Pommes frites. Es ist noch nicht lange her, da spazierte ich bei 32 Grad durch die lauten Gassen von Cartagena de Indias und bestaunte die herrlichen Kolonialbauten in ihrer unglaublich farbenfrohen Vielfalt. Es ist noch nicht lange her, da saß ich an einem Lagerfeuer in Damaraland im Inland von Namibia und sah den Giraffen zu die mit ihren langen Beinen der untergehenden Sonne entgegenschlenderten. Es ist noch nicht lange her, da fuhr ich mit einem Flußschiff den Irrawady im südostasiatischen Myanmar entlang auf dem Weg von Bagan nach Mandalay. Es ist noch nicht lange her, da wanderte ich frühmorgens  bei eisigen Temperaturen durch die Mondlandschaften der chilenischen Atacama-Wüste von San Pedro hoch auf fast 5000 m zu den berühmten Geysiren von ,,El Tatio“. Es ist noch nicht lange her, da war ich bei einem Rock-Konzert im Dschungel von Australien. Es ist noch nicht lange her, da war ich bei einem Punker-Treff in Buenos Aires.

Ach ich könnte noch ewig so weiterzählen. Von meinen Reisen nach Südafrika, nach Kambodscha und Vietnam, nach China, Marokko, Argentinien , Trinidad und Tobago, Mexiko oder Thailand, auf die Seychellen oder Malediven. Quer durch die USA,  ins russische St. Petersburg, nach Madrid, Rio de Janeiro, Amsterdam, nach Island oder nach Spitzbergen. Die Liste erscheint unendlich. Sehnsuchtsorte wohin man blickt. Und von jeder der vielen Reisen, die ich in meinem Leben unternehmen durfte, bringe ich eine Unmenge an Erinnerungen mit. Eindrücke von den Ländern selbst , den unterschiedlichen Lebensformen überall, vor allem aber von  den Menschen die ich rund um den Globus  kennenlernen durfte oder manchmal auch musste.

Ich sehe ihn vor mir den australischen Reiseführer Peter mit dem ich im schwer lädierten Landrover durch den australischen Kakadu-Nationalpark fuhr, unter sehr erschwerten(auch sprachlichen) Bedingungen (Mann, hatte der Mann einen Akzent) . Der Mann brachte mich sogar dazu mit ihm durch einen Fluss zu schwimmen, in dem sich eine nicht geringe Anzahl an Krokodilen tummelte. Unglaublich! Am Titicacasee in Peru machte ich die Bekanntschaft einiger Familien der indigenen Gruppe Uru. Die Menschen leben dort auf kleinen schwimmenden Inseln. Die Kinder konnten sich an mir und meiner Frau gar nicht sattsehen und waren überglücklich, als ich mit ihnen gemeinsam auf einer 50 qm kleinen Mini-Schilf-Insel Fußball spielte und ihnen zuletzt eine Trillerpfeife überließ, die ich zufällig in meinem Rucksack gefunden hatte. In Sri Lanka machten wir die unangenehme Bekanntschaft eines alten exhibitionistisch veranlagten Herbergsvaters der sich in seiner üblen Pension vor meiner Frau entblößte, während ich unser Gepäck in das Rattenloch brachte, das sich Hotelzimmer schimpfte.  Diese zweifelhafte Erfahrung bleibt genauso unvergessen wie die freundschaftlichen Kontakte die ich in Bogota in einer Tejo-Halle knüpfte, als ich gemeinsam mit einigen Einheimischen ihrem Nationalsport frönte (bitte die Sportart googeln…).Ein brasilianischer Arzt mit geschlechtlicher Irritation im rosafarbenen Abendkleid und mit weißer Handtasche rettete mich in Maceio von einer üblen Austern-Vergiftung und konnte es nicht lassen meine Stirn während der Behandlung mit heißen Küssen zu bedecken. Ich konnte mich in meinem elendigen Zustand nicht mal wehren. Sehr zur Erheiterung meiner beiden Töchter, die dem unwürdigen Schauspiel lachend beiwohnten. Und, und, und,….

Ich habe Spinnen gegessen, Schlangen und Krokodile, habe Mate-Tee getrunken und französischen Champagner, argentinischen Wein und klebrige kolumbianische Limonade. Und irgendwie schmeckte alles nach dem Land in dem ich mich jeweils befand.

Ach war das schön…

Heute sitze ich in meinem Haus in Südtirol und reise -Corona-bedingt-durch meine Gedankenwelten. Die Erinnerungen kommen in Wellen und lassen mich davon träumen, was ich in den vergangenen Jahrzehnten alles erleben durfte. Und obwohl ich ein klein wenig traurig bin, dass ich momentan an das heimische Sofa gebunden bin, bin ich auch irrsinnig dankbar dafür, was ich schon alles gesehen habe Außerdem habe ich ja meine Erinnerungen!

Irgendwann wird das doofe Virus auch wieder Vergangenheit sein. Und dann -so viel ist sicher- packe ich schnellstmöglich wieder meinen Koffer und bin dann mal weg.

1 Kommentar

  • Posted 7. Dezember 2020
    von Veronika

    Super Artikel!

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