Ich bin das Glück dieser Erde, ich bin ein Kind dieser Zeit…

Heute war ich im Fitnessstudio. Drei Stunden. Mann, oh Mann…Mir tut jetzt echt alles weh. Musste aber sein. Die Muskelmasse entsteht nicht von alleine. Die muss man schon gut aufbauen.

Der Zeitgeist verlangt eben auch Opfer.

 Ich will ja schließlich auf Instagram richtig gut rüberkommen. Und wenn ich mich weiterhin so toll entwickle und quasi jeden Tag fitter und jünger werden sollte, dann kümmere ich mich auch noch um mein Erscheinungsbild auf  TikTok.

Versprochen…

Bei entsprechendem Trainingsfleiß  wird sich mein T-Shirt dann schon bald eng an meinen Oberkörper schmiegen. Mein Hals-Tattoo wird mir außerdem noch einen martialischen und somit äußerst männlichen Anstrich verpassen.

Ach, was werde ich cool aussehen…

Natürlich wird meine Calvin-Klein- Unterhose aus meinem engen Hosenbund lugen, während meine Bauchmuskulatur zum wilden Pogo ansetzt wenn ich auch nur ein bisschen ein und ausatme.

Ich bin so schön, ich bin so toll, ich bin der Florian aus Dorf Tirol…

Habe ich übrigens schon erwähnt, dass ich schon länger auch auf Snapchat unterwegs bin.

Ja, da staunen Sie jetzt….

Und ich werde mich in Zukunft noch mehr posten. Mich allein, in allen nur erdenklichen Posen. Ich werde der Welt zeigen was für toller Typ ich bin. Dazu werde ich coolen Rap hochladen und all die alten Säcke die aus meiner bedauernswerten, weil eben nicht omnipräsenten Generation kommen werden mich beneiden. ,,Da hat aber einer den Sprung geschafft. Hat der Zeit getrotzt. Echt geil…“ werden sie sagen und zähneknirschend im Spiegel auf ihr schwindendes Zahnfleisch und das schütter werdende Haar starren.

Ich werde fast so sexy sein wie die jungen Besucher in meinem Büro die sich um eine Stelle im Hotel bewerben. Und die ich natürlich schon von deren Instagram-Seite kenne. Mehr als mir lieb ist, aber was soll’s… Fast so lässig wie die lässigen Kellnerinnen die ich regelmäßig bei meinen Besuchen in natürlich äußerst angesagten Restaurants bestaunen darf. Und  fast so cool wie die Schulkameraden/innen meiner Töchter.

An all den genannten Personen blicke ich  trotz aller Begeisterung für die Jugend immer auch etwas schamhaft vorbei. Schließlich kenne ich sie ja mehr oder weniger ziemlich unbekleidet. Dafür haben sie schon mit ihren Posts gesorgt! Wer braucht schon ein Bewerbungsschreiben, wenn das ganze private Leben auf einem Leopardenfell im Internet ausgebreitet liegt?

Eine Intimität die zwar durchaus auch als irritierend bezeichnet werden kann, aber eben auch jung, angesagt und so wunderbar selbstverständlich ist. Und kein bisschen oberflächlich…

So wie ICH!

Übrigens:

Haben Sie schon mal einen gefühlt Nackten zum Vorstellungsgespräch empfangen?

Nein?

Eben…

Dann können Sie auch nicht mitreden. Ich mache diese Erfahrung regelmäßig und deshalb beabsichtige ich jetzt auch einzutauchen in dieses tiefgründige Dasein der aktuellen Generation. Ich werde mich auch in die Scheinwelt der Jungen und ewig Schönen begeben. Durch den hypothetischen Notausgang des eigenen bisher so furchtbar schnell alternden Leben.

Durchdrungen von einem plötzlichen Gefühl von jetzt…

Mit Hilfe von Hanteln, Tanga und-vielleicht-mit einem tollen Brustwarzen-Piercing. Wenn es dann soweit ist und ich so richtig Netz-tauglich bin, werde ich Sie informieren. Über meine sozialen Kanäle natürlich!

Ich werde ein Instagram-Star sein! Ja, das werde ich.

Und alle werden mich lieben und bewundern!

Ach wird das schön sein!

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