Nicht ohne meinen Indianer…

Ich hätte da mal einige Fragen an Sie. Schwirren mir so im Kopf rum. Jetzt gerade. Also muss ich Sie auch gleich zu Papier bringen, trotz der Gefahr mir die Finger zu verbrennen oder Opfer eines gewaltigen Shitstorms zu werden.

Haben Sie jemals Karl May gelesen?

Stehen eventuell noch Winnetou-Bände in ihrem Bücherregal?

 Sind Sie ein Fan von Old Shatterhand, Old Surehand und Nscho-tschi (heißt übersetzt  übrigens ,,Schöner Tag“. Wenn das kein gutes Omen für die Fortführung dieses Artikels ist…)?

Sind Sie schon so alt, dass Sie es sich leisten können politisch unkorrekt zu sein und ihnen gelegentlich noch das Wort Indianer über die Lippen kommt?

Oder sind Sie schon so angepasst, entmündigt oder gar ängstlich, dass Sie ihren entgeisterten Kindern/Enkelkinder an Karneval besserwisserisch raten sich als ,,Native Americans“ zu verkleiden. (Worauf die lieben Kleinen sie entgeistert ansehen dürften und sich insgeheim fragen, ob der/die Alte einen schweren Schlag mit dem Tomahawk bekommen hat).

Denjenigen die die ersten drei Fragen mit Ja und die letzte mit Nein beantwortet haben möchte ich gratulieren. Sie haben noch alle Tassen im Wigwam-Schrank!

Im gegenteiligen Fall hüllen wir die Pferdedecke des Schweigens drüber

Man ist versucht all diejenigen die nichts Besseres zu tun haben, als den Besuch der fiktionalen und gerade deshalb unterhaltsamen Apachen-Welt Karl Mays in Frage zu stellen an den nächsten Marterpfahl zu fesseln. Auf dass nach tagelanger Qual in der prallen Sonne New Mexicos der Weg in die ewigen Jagdgründe ein Leid- und schmerzvoller sein möge.

Hugh…Ich habe gesprochen!

Ich lasse mir meinen Indianer nämlich nicht verbieten. Ganz sicher nicht aus Respektlosigkeit gegenüber der indigenen Kultur und ihrer Geschichte sondern rein aufgrund der Tatsache, dass die ganze Diskussion über kulturelle Aneignung in meinen Augen einfach an den sprichwörtlichen Haaren herbeigezogen ist.

Mit der Gefahr schlussendlich mehr als nur einen blutigen Skalp in den Händen zu halten.

Apropos Haare…

Haben Sie beim letzten Friseur-Besuch mit dem Gedanken gespielt sich Rasta-Locken flechten zu lassen, oder war Ihnen das Wagnis zu groß mit der eigenen weißen Anbiederung fremde Lebensweisen zu beleidigen?

Wäre das wirklich eine solch haarige Angelegenheit? Würde man andere Kulturen auf diese Weise vor den angeborenen Dread-Kopf stoßen?

Unser aller Bob Marley würde sich wohl kaum im Grab umdrehen, wenn er von der vereinzelt als Anmaßung betrachteten Idee erführe als Weißer jamaikanische Frisuren tragen zu wollen.

Wie heißt es so schön in Marleys Reggae-Hit: ,,Could you be loved“?

Die Quintessenz des Songs: Jeder kann lieben und geliebt werden. (Und da dürfte die jeweilige Frisur die geringste Rolle spielen und muss auch nicht wirklich thematisiert werden).

Mir für meine Person stellt sich die Rasta-Frage nicht mehr. Ich habe mir kürzlich nämlich meinen Schädel rasiert. Das Haar ist einfach schütter geworden.

Meine Gesinnung allerdings nicht. Die ist nach wie vor sehr gesund.

Die Frisur sieht gut aus, wie ich finde. Gegenteilige Meinungen ertrage ich mannhaft. So wie einst Winnetou…

Wer übrigens mit mir in der soeben thematisierten Angelegenheit die Friedenspfeife rauchen möchte ist herzlich willkommen.

Oder wie wäre es mit einem jamaikanischen Joint?

Hauptsache ich muss beim Tabak-Genuss nicht weiter über das leidige Thema reden.

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