Im Moment leide ich unter extremer Schlafdeprivation. Ehrlich wahr. „Schlaf…was“? werden Sie mich jetzt fragen. Wovon redet der Mann?
Schlafdeprivation!
Jetzt kann ich auch nichts dafür, dass Sie geehrter Leser sich mit medizinischen Fachbegriffen nicht auskennen.
Ja, dann googeln Sie den Begriff halt.
Mein Gott…
Ein bisschen Bildung darf man von den Menschen doch noch erwarten.
Oder?
Ok. Wenn das so schlecht ist mit dem Wissen in unserer Gesellschaft werde ich Ihnen wohl helfen müssen: Unter Schlafdeprivation versteht man willentlichen oder auch unwillentlichen Entzug von Schlaf. Weiß doch jeder.
Vor allem aber wissen es Fußball-Fans, die aktuell die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko verfolgen.
Und die auf so spannende Auseinandersetzungen wie beispielsweise Südkorea gegen Tschechien um 4 Uhr morgens, Haiti gegen Schottland um 3 Uhr oder Kongo gegen Usbekistan um 1.30 nicht verzichten wollen.
Diese fußballerischen Leckerbissen konnte auch ich mir natürlich – so viel darf ich heute, wo die WM bereits bis ins Viertel-Finale fortgedrungen ist, bereits sagen-nie und nimmer entgehen lassen. Und auch wenn es dann sportliche Magerkost war auch egal, um die Uhrzeit will man ja sowieso nichts schwer Verdauliches mehr zu sich nehmen.
Nicht mal visuell.
Seit die FIFA beschlossen hat jedes Land dieser Welt das nicht Liechtenstein, Luxemburg, Andorra, die Malediven oder Italien hieß sich für dieses Turnier qualifizieren und dann fünf Wochen lang gegeneinander antreten zu lassen, um dann endlich am 19. Juli den Weltmeister zu küren, freuen sich Sportliebhaber aus der ganzen Welt auf die Auseinandersetzungen zu nachtschlafender Zeit. Nach dem Konsum durstlöschender und vor allem puschender Unmengen an Red Bull, Coca-Cola oder anderen koffeinhaltigen Getränken, kann man sich dann die die Nächte mehr oder weniger euphorisiert um die Ohren schlagen.
48 Mannschaften kicken also in insgesamt 104 Spielen um ihr sportliches Leben und bringen mich um meinen Schlaf. Und Schuld ist der geldgierige Chef der FIFA.
Was erlauben Infantino?
Aber hallo…Ich kann doch nicht nur dauernd Fußball schauen, ich muss auch noch arbeiten. Und ein weiterer nicht unwesentlicher Aspekt der unter Umständen problematisch für das sportlich passive Vergnügen ist darf auch nicht vergessen werden: Wo finde ich in meiner Heimatstadt die arbeitslosen Exil-Tschechen, die irakischen Flüchtlinge und die Fußball-kenntnistrunkenen Wander-Arbeiter aus Katar, die mit mir das Nachtlager teilen wollen, um dann in den frühen Morgenstunden gemeinsam im Bett zu frühstücken und dazu meistens auch noch schlechten Sport zu konsumieren?
Fußball aus der Langeweile-Kommode also und dann immer wieder frische Pyjamas aus dem hauseigenen Kleiderschrank. Bei den aktuellen Sommer-Temperaturen kann man nämlich durchaus auch mal ins Schwitzen kommen.
Ein kleines Nickerchen zwischendurch darf man aber schon auch mal einlegen.
Bei bestimmten Spielen greift nämlich der biologische Rhythmus von Menschen und weißen Mäusen, der bekanntermaßen nur fünf Minuten Aufmerksamkeit beinhaltet.
Die dann eben auch mal reichen müssen. Um den eigenen Schlafspeicher zumindest ein bisschen wieder aufzufüllen.
Was, das wussten Sie auch nicht? Das mit den Nagetieren… Ja, für wen schreibe ich hier eigentlich?
Skandalös…
Sind Sie in letzter Zeit eigentlich mal zeitgenössischem Bildungsgut begegnet?
Hochleistungssport zum Beispiel. Oder Wissenschaft. Oder beidem.
Nun, ich schweife ab. Und rege mich zu sehr auf.
Apropos aufregen: Was sagen Sie eigentlich zum Ausscheiden Deutschlands? Gegen Paraguay…PARAGUAY…Ist das noch zu fassen? Ich wusste gar nicht, dass es da Fußballplätze gibt. Ich dachte da wären nur Sumpflandschaften (Was ja wiederum wunderbar zum Tätigkeitsfeld der FIFA passen würde…).
„Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht“. Schrieb Heinrich Heine 1844 in seinen ,,Nachtgedanken“. Gott sei Dank wusste der deutsche Dichterfürst damals nicht wie schlecht seine Landsleute 180 Jahre später sportlich performen würden.
Lange dauert die WM jetzt nicht mehr. Und die letzten Spiele werden dann Europa-freundlich schon am Abend ausgestrahlt.
Das wird eine Freude.
Nur, was mache ich dann nachts?
Schlafen? Wie langweilig…