Knigge: Wer? Knigge: Wie? Diesen Namen hörte ich nie…

Ich starte meinen heutigen Blog mal mit drei ganz einfachen Fragen:

 Sind Menschen, die noch auf gute Umgangsformen Wert legen ,,oldschool“, aus der Zeit gefallen, alte Säcke, unmodern, bescheuerte Snobs…?

Sind die berühmten Knigge-Regeln, aufgestellt vom gleichnamigen Freiherrn Adolph Knigge im fernen Jahr 1788 heute noch ein Maßstab für gesellschaftliche Etikette und gutes Benehmen, oder einfach nur ein paar Vorschriften zwischen zwei alte, staubige Buchdeckel gepresst?

Und zu guter Letzt: Was sind Sie denn für ungebildeter Zeitgenosse, wenn Sie nicht wissen wer Knigge ist, und welche Bedeutung seine Schöpfung für unser aller Zusammenleben hat?

Seit das Knigge-Werk „Über den Umgang mit Menschen“ erschienen ist, sind ein paar Jährchen ins Land gezogen und einiges von dem was sein Urheber zu Papier gebracht hat mag ein klein wenig überholt wirken, aber wie der Titel des Buches schon verrät, geht es in dem aufklärerischen Opus vor allem um das korrekte Miteinander zwischen den Menschen.

 Und da stellt sich schon die nächste Frage: Kann angemessenes menschliches Verhalten denn jemals außer Mode kommen?

 Ich finde nicht.

Und zum richtigen Miteinander-gehören halt -zum Teufel noch mal -auch ein paar Manieren. Und wenn ich fluchen muss, um den Leuten ein bisschen Etikette näherzubringen, dann heiligt der Zweck in diesem Fall halt die Mittel.

Verdammt!

Der Grund warum ich mich mit gerade diesem Thema beschäftige waren meine Beobachtungen, die ich machte, als ich kürzlich in einem 5-Sterne-Hotel beim Essen saß und anderen Gästen beim Frühstücken zusehen bzw. zuzuhören musste.

Begleitet von lauten Schmatz-Geräuschen eines korpulenten Herrn fortgeschrittenen Alters einerseits und den noch lauteren Telefongesprächen seiner jungen, spärlich gekleideten Begleiterin andererseits, wandte ich mich dem Spektakel sehr aufmerksam zu, da mir der eigene Appetit aufgrund dieser ekelhaften Geschehnisse schon länger vergangen war und ich somit genügend Zeit für die Horror-Show zur Verfügung hatte.

 Der Tisch des ungleichen Paares bog sich vor unterschiedlichsten Süßigkeiten, unappetitlichen Schweinereien und mehreren vorzugsweise alkoholischen Getränken. Aus Gründen die sich mir nicht ganz erschlossen, wurde das zügellose, bacchantische Gelage von der Dame mit dem Handy auch noch auf Bild gebannt. Meiner Meinung nach wäre es besser gewesen, wenn das Geschehen für die Nachwelt der Vergessenheit anheimgefallen wäre.

Shit Happens…

Es war heiß an diesem Tag auf der Terrasse des Luxus-Hotels. Grund genug für einen anderen Haus-Gast sein kahles, schweißnasses Haupt und den nicht minder feuchten Nacken-Bereich immer wieder mit der ursprünglich blütenweißen Stoffserviette zu trocknen. Wie wichtig Servietten im offenen Speise-Bereich sein können, stellte der noble Herr auch dadurch unter Beweis, dass er den Stoff zunächst zur Jagd und dann zur Ermordung einiger lästiger Fliegen nutze, die ihm beim Frühstücken störten. Zusätzlich gilt es noch zu erwähnen, dass selbstverständlich auch dieser unsägliche Mensch sein Essen fotografierte. Konkret: Ein Eier-Omelett mit Schnittlauch und Tomate. Warum? Das weiß allein der Gott der Dummheit und Einfalt. Die Frage wer sich nach dem Urlaub Fotos von Eier-Omeletts anschaut sei hier ebenfalls erlaubt.

„O tempora, o mores“, wie der Lateiner zu sagen pflegt.

Verfall der Sitten wohin man blickte.

Dem Knigge-Fass den Boden schlug aber ein weiblicher Besucher des Etablissements aus, (Die Bezeichnung ,,Dame“ wäre im Zusammenhang mit der Person nicht angebracht…), die während des Frühstücks ( Frucht-Aufstrich, Müsli, Orangensaft…) zunächst im Schneidersitz ihre Fuß-Nägel inspizierte und selbige dann direkt am Tisch mit Erdbeermarmeladen-rotem Lack überzog.

Pediküre und Konfitüre: Wenn das keine Kombi ist…Der Gatte war ob dieses Benehmens nicht erstaunt und stopfte weiter Schimmelkäse in seinen weit geöffneten Rachen.

Meine Irritation war dafür umso größer.

Und dauert bis zu diesem Moment an.

Womit ich diesen Blog beenden möchte.

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