Ein kurzes Essay über die Transpiration und ihre Bekämpfung durch das moderne Kühlgerät

Es ist schon sehr heiß in diesem Sommer. Die Sonne scheint viele Stunden täglich unerbittlich vom Himmel. Es ist fast nicht auszuhalten. Es ist so-wie soll ich mich ausdrücken-ja, so unglaublich anstrengend… sommerlich…

Jeden Tag schönes Wetter. Wolkenloser Himmel. Azurn und leuchtend. Ein Blau wie es blauer nicht sein könnte.

Tja, irgendwie -in all seiner Schönheit aber schon auch eigenartig.

Da sei die Frage erlaubt: Wo soll das noch hinführen?

 Das ist ja fast so wie wenn wir jeden Tag gute Laune hätten. Stellen Sie sich das mal vor. Blauer Himmel und gute Stimmung. Das kann ja nicht gesund sein. Das entspricht doch nicht der Wesensart des naturgemäß eher übellaunigen Mittel-Europäers.

Die Menschen klagen, nörgeln und lamentieren:,, Ach ist das heiß“. „Ich halte die Gluthitze nicht mehr aus“. ,,Wann kommt endlich die Erlösung?“.

Vor allem aber verändern die hohen Temperaturen das Reiseverhalten der leidgeplagten Personen. Nachdem es in diesen Zeiten nahezu unmöglich ist ohne Klimaanlage zu überleben, fahren die Urlauber aktuell nur dahin, wo es zumindest indoor richtig kalt ist. Zuhause hat ja kaum ein Mensch nördlich des Brenners eine Wohn-Kühl-Box zum Gefriertrocknen seines Schweißes. Warum auch, wo man daheim im Normalfall doch nur Heizungen braucht, weil der Winter im September beginnt und im Juni endet.

 Aber jetzt in diesem Sommer unterstützt vom Klimawandel ist alles anders. Wir brauchen Erfrischung.

 Auf Teufel komm raus.

Hotel mit Klimaanlage also. Was gibt es Schöneres als im auf acht Grad runtergekühlten Zimmer aus dem Fenster zu schauen und dort beispielsweise den Golf von Neapel oder die Südtiroler Bergwelt zu bestaunen und den leichtgeschürzten Einheimischen beim sich selber Braten zuzusehen?

Wie sang einst die österreichische Band Erste Allgemeine Verunsicherung in ihrem Song, „Küss die Hand schöne Frau“:

Transpiri, transpira…

Recht hatten sie. Obwohl. Hat das Schwitzen an sich was Lyrisches?

Eher nicht.

Der Urlaub selbst hat verdammt nochmals die Verpflichtung die schönste Zeit des Jahres zu werden. Und wenn das nur mit Klimagerät funktioniert dann ist das halt so.

,,Ein Urlaub bedeutet Schonung von den Unannehmlichkeiten des Lebens“ schrieb der legendäre Autor David Foster Wallace in seinem kultigen Kreuzfahrtbuch ,,Schrecklich amüsant-aber in Zukunft ohne mich“.

Der Titel spricht Bände.

Und wenn die Hitze so unangenehm ist, dann muss man eben was dagegen unternehmen.

Basta, Aus und Punkt.

Ich bin in der unglaublich glücklichen Lage ein Hotel mit Stromzufuhr und angeschlossener Lüftung zu besitzen. Das hat aktuell -wie bereits erwähnt-einen gewaltigen Wettbewerbs-Vorteil auf dem überhitzten Urlaubsmarkt.

 Und auch wenn die Gäste, unter der Klimaanlage sitzend, diesen Sommer mehr schniefen und husten als in den Jahren zuvor und über Atemwegs-Erkrankungen, wie beispielsweise einer schönen Bronchitis oder einer veritablen Lungen-Entzündung klagen, egal, trotzdem gilt für viele der Grundsatz: „Besser bellen als schwitzen“.

Manch einer der Feriengäste erscheint schon zum Frühstück mit am Kopf festgefrorenem Shampoo. Direkt aus der zur Kältekammer umfunktionierten Dusche kommend kann man dann die Haare auf seiner Schädeldecke im sengenden Sonnenlicht auftauen lassen.

Wunderbar!

Meine Mitarbeiter hingegen, die natürlich auch unglaublich unter diesem furchtbaren Sommer leiden, klappern nach Inbetriebnahme der Kühl-Anlage im Speisesaal dauernd mit den Zähnen, was die innerbetriebliche Kommunikation etwas schwieriger macht, aber – wie ich immer zu sagen pflege-„Besser ein klappernder Kellner, als ein übel nach Schweiß riechender“.

Ich bekomme angesichts dieses Verhaltens zwar eine epidermale Grusel-Gänsehaut, aber um mich soll es hier ja auch nicht gehen.

Ich verrate Ihnen nämlich jetzt am Ende dieses Textes ein Geheimnis: Ich liebe den Sommer. Und die Hitze!

Aber ich glaube ich bin auch nicht ganz normal.

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