I will skifoan…und das um jeden Preis

Heute Morgen schreckte ich plötzlich aus meinem Tiefschlaf. Während ein wilder Schrei meiner Kehle entwich und sich entsetzt im Raum verbreitete blickte ich verwirrt durch das Schlafzimmer. ,,Wo bin ich ?“, rief ich. ,,Wo ist der Schnee und wo meine Skier?“. Meine Frau, die das Ehebett schon länger verlassen hatte und gerade mit der Zubereitung des Frühstücks beschäftigt war stürmte, von meinem Hilferuf alarmiert, in unser Gemach und streichelte besorgt aber schon auch etwas irritiert über meine schweißnasse Stirn.  Sie erkundigte sich nach meinem Befinden und versuchte mit einem Blick in meine fieberglänzenden Augen den Grund für mein eigenartiges Verhalten zu eruieren. Ich erklärte meinem holden Weib, dass ich mich im Traum – vermutlich auch ausgelöst durch mein stundenlanges Ruhen inmitten schneeweißer Bettwäsche – in einer wunderbaren Winterlandschaft befunden hätte, um einer Leidenschaft zu frönen, die einen wesentlichen Teil der DNA eines wahren Tirolers ausmacht und dementsprechend nahezu als verbrieftes Recht des ,,homo alpinis“ gesehen werden kann.

Dem Skifahren…

Ja, die Sportart schlechthin für Bergfexe wie mich. Seit hunderten von Jahren bewegen sich die Alpenbewohner Winter für Winter auf ihren Skiern vorwärts und stürzen sich oft zum Vergnügen todesmutig die steilsten Hänge hinunter. So war es immer schon und nichts, aber auch gar nichts konnte uns Hochländer davon abhalten.

Bis heuer…

Bis Corona kam. Ein chinesisches Virus hat sich als Spielverderber für die beste und liebste aller Freizeit-Aktivitäten entpuppt.

Ein VIRUS AUS CHINA !!! AUS CHINA…

Die Asiaten und ihre Fledermäuse haben unsere Kultur untergraben und das Wichtigste im Leben vieler Berg-Menschen zerstört. Eine Tätigkeit die nicht umsonst Mittelpunkt musikalischer Kniefälle großartiger Künstler geworden ist. Der Wiener Barde Wolfgang Ambros zum Beispiel setzte dem ,,Skifoan“ ein ewiges Denkmal mit legendären, nahezu geschichtsträchtigen Textzeilen :

,,Am Freitog auf‘d Nocht montier i die Schi, auf mein Auto und dann begib i mi ins’ Stubaital oder noch Zell am See, weil durt auf die Berg ob’m ham’s immer an leiwaund’n (tollen) Schnee“…

Was soll man da noch sagen?

Epische und wegweisende Worte…

Geht es in puncto Lyrik noch besser? Niemals!

Und dann kommen diese depperten Chinesen und zerstören alles. Unsere Politiker mit ihren Lockdowns tun ihr Übriges dazu, dass wir in diesem Winter auf so viel verzichten müssen.

Und das alles wegen ein bisschen Corona? Die paar Toten und Infizierten können uns doch nicht um unser Vergnügen bringen. In dieser unserer so liebgewonnenen Spaßgesellschaft…

Was ist mit Apre-Ski? Wer trinkt jetzt die ganzen Jäger-Tees und ,,heißen Omas“, wenn die Ski-Anlagen ruhen und die winterlichen Party-Kneipen stillstehen. Was machen heuer eigentlich die vollkommen enthirnten, dafür aber umso freizügigeren Touristinnen die sich normalerweise vor Hunderten von Freiluftsportlern auf zugigen Bühnen ihrer knappen Outfits entledigen? Wer isst die Unmengen von Dosen-Gulaschsuppen die zu diesem Zeitpunkt des Jahres die Mägen der Ski-Gourmets erfreuen? Keine alkoholgetränkte Freiluft-Ekstase, kein Laufsteg für grellbunte Sport-Kleidung, kein grenzüberschreitender und menschlich so wohltuender Austausch von Körper-Flüssigkeiten.

Traurig, einfach nur traurig! Im Rückblick wird dieser Winter in einigen Jahren als vollkommen sinnfrei in die Geschichte eingehen.

Und wie geht es mir?

Ich starre mit tränenfeuchtem Blick an die (zum Glück)  winter-weißen Wände meines Schlafzimmers während mich meine Frau liebevoll in einen neuen, hoffnungsfrohen Dämmer-Zustand wiegt.

Der Schlaf ist mein Bruder und spendet mir großen Trost.

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