Punker-Liebe ohne Grenzen: Eine Rezension

Es gibt nur eines, was noch sinnloser ist als Fußballspielen und das ist Nachdenken über Fußball. Sagt der Schriftsteller Martin Walser. Ein weiser Mann dieser Martin Walser. Und mit Sicherheit eine interessante, weil auch umstrittene Figur der deutschen Kultur-Landschaft. Habe ein bisschen was von ihm gelesen. Konkret: ,,Ein fliehendes Pferd“, ,,Ein sterbender Mann“ und ,,Tod eines Kritikers““.  War jetzt nie mein absoluter Favorit der gute Walser, aber ich habe mich auf dem schulisch vorgegebenem Weg zum (Pflicht)-Bildungsbürgertum etwas mit seinem literarischen Schaffen auseinandergesetzt. Und mich auch partiell daran erfreuen können (müssen…)

Was den Fußball anbelangt aber täuscht er sich.

 Habe ich mir erst kürzlich gedacht, als ich nach der Lektüre von ,,Hope Street- Wie ich einmal englischer Meister wurde“ von Punk-Rocker Campino ein höchst unterhaltsame Buch zu dem  Thema aus der Hand legte. Eine sehr aktuelle Liebes-Erklärung an den Fußball und im Besonderen an den englischen Meister FC Liverpool. Und eine Autobiographie der etwas anderen Art.

Der Frontman der ,,Toten Hosen“ hat -Walsers Empfehlung hin-Walsers Empfehlung her, sehr wohl über den Fußball nachgedacht. Vor allem aber lebt er ihn und erfreut sich an einem Spiel das für ihn ein äußerst wichtiger Bestandteil seines Lebens ist.

 Deutscher Vater, englische Mutter, aufgewachsen in Düsseldorf und irgendwie doch in England daheim. Und der Fußball bildet die Brücke zwischen den beiden Kulturen. Eine Brücke auf der Campino nicht nur erzählerisch sehr gerne balanciert. Und mit Balance-Akten kennt sich der deutsche Musik-Anarcho wahrlich aus. Da reicht ein kurzer Blick auf sein langjähriges Punker-Wirken. Der Mann der vor gar nicht langer Zeit in einem Interview mit der FAZ einmal erklärt hat ,,am Fußball vor allem den Kontrollverlust zu lieben“ weiß diesbezüglich genau wovon er spricht.  Es ist die faszinierende  Leidenschaft und die Liebe zu diesem Sport mit der die so gar nicht tote Hose Campino am  Fußball seine Zeit nur allzu ,,gerne verschwendet“. Und wie er in ,,Hope Street“ deutlich unter Beweis stellt voller Emotionen darüber nachdenkt, was es mit der Faszination und dem Mythos ,,FC Liverpool“ so auf sich hat. Vor allem aber zeigt Campino in seinem Buch wie frei von  Werturteilen und  Meinungen anderer Menschen er selbst sein Denken und somit sein Leben gestaltet. Wer so tickt kann dann dem banalen Männersport Fußball auch schon mal etwas mehr Aufmerksamkeit schenken.

Punk halt!

Sinnfrei fand ich schon allein aufgrund dieser Geisteshaltung das Buch gar nicht.

Nicht zuletzt aber auch weil mich das Werk Campinos  ein Stück weit in meine eigene Jugend zurückversetzt hat. Leben im Dorf mit viel Interesse an Musik (im Besonderen Alternative Rock und eben auch Punk) und Fußball , zum Ausdruck gebracht durch modischen Wagemut und lebensbejahender Extravaganz sowie einem gehörigen Schuss Leidenschaft für die angelsächsische Kultur. Nicht immer einfach in einer Gegend die mehr von Äpfel-Bäumen als von Indie-Clubs geprägt war. Aber stets spannend!

,,Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“ hat Philosoph Friedrich Nietzsche einst geschrieben. Dieses bekannte Zitat des großen Denkers dürfte auch Punkrocker Campino nicht fremd sein. Vor allem auch weil es dessen eigenem Dasein und vor allem seinem künstlerischem Schaffen nochmals mehr Bedeutung gibt.

Vielleicht würde Nietzsche den Satz heute noch um den Begriff Fußball ergänzen.

Wer weiß?

 Campino jedenfalls -da bin ich mir ziemlich sicher-wäre dafür. Trotz- oder gerade wegen-Martin Walser.

1 Kommentar

  • Posted 12. Dezember 2020
    von Regina Grunwald-Schleiff

    regina.grunwald-schleiff@gmx.de
    Lieber Herr Flötschmann,
    welch ein Hochgenuss und Quell der Freude -Ihr Blog!! 👏👏👏❤️Ich bekomme ihn hoffentlich automatisch…oder muss ich mich irgendwie irgendwo anmelden? Herzlich Frau Regina aus der Documentastadt Kassel

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